Buß- und Bettag 2017

Um Gottes Willen

50692_buss-bettag_2017_quer_rgbWie ein Stoßgebet kommt es einem über die Lippen. Etwas Unfassbares ist passiert. Wieder ein Anschlag mit vielen Toten, näher als sonst. Oder die eigene Welt geht aus den Fugen: jemand hat mich verletzt, ich selbst habe einen schrecklichen Fehler gemacht. Um Gottes willen! sagen auch Leute, die sonst von Religion nichts halten. Es ist ein Protest, ein Hilferuf, eine Suchbewegung: Ist denn da keine Macht, die eingreift? Ist da keine Instanz, auf die man sich berufen, kein Raum, in den man fliehen kann?

Was hat das Schreckliche, das passiert, mit Gottes Willen zu tun? „Krieg soll um Gottes Willen nicht sein“, beschloss der Weltkirchenrat bei seiner Gründung in Amsterdam 1948, nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts. Gottes Wille ist nicht unbedingt das, wofür Menschen sich so begeistern lassen, wie dafür, die eigene Nation groß und andere Völker klein zu machen. Wie aber erfahren wir, was Gottes Wille ist? Vielleicht gehört dazu, in sich zu gehen, so wie der Mann, der auf dem Plakat zum Buß- und Bettag zu sehen ist. Das Nachdenken, Suchen, Sich-unterbrechen, Selbstkorrektur-einlegen.

Unser ganzes Leben soll eine Buße sein, hat Luther geschrieben in der ersten seiner 95 Thesen. Das war der evangelische Urknall. Der befreiende, froh machende Impuls, dass wir uns nicht um uns selbst drehen, uns nicht in uns selbst hinein verkrümmen, sondern auf Gottes Wort hören, auf andere zugehen, vertrauen und zusammen neue Wege finden. Dazu laden wir ein in unseren Gottesdiensten am Buß- und Bettag.

Propst Helmut Wöllenstein, Marburg

 

Internet-Chat mit Bischof Prof. Dr. Martin Hein.

Unter der Überschrift „Um Gottes Willen“ steht auch der Internet-Chat mit Bischof Prof. Dr. Martin Hein. Sie können mit ihm am Montag, 20. November, von 20 bis 21 Uhr diskutieren unter www.ekkw.de

Grafik: orangecube

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