Abfahrt in den Tod

Sie waren unsere Nachbarn

… irgendwann waren sie einfach weg

Plakat_09_11_November_RodenbachBahnhof Niederrodenbach am 5.9.1942 ab 9.22 Uhr

„Am Morgen des 05. Septembers 1942, es war Sabbat und frommen Juden untersagt zu reisen, wurden die Restfamilien Blumenthal und die 64-jährige Frau Sara Kösterich gewaltsam aus ihren Wohnungen verschleppt und unter polizeilicher Bewachung zum Bahnhof Niederrodenbach gebracht, von wo aus man sie zusammen mit weiteren 42 Deportierten aus Hanau, Bergen, Bischofsheim und Hochstadt nach Kassel transportierte. …[Von dort aus] setzte sich der Transportzug mit der Bezeichnung „Da 511“ am 07. September 1942 über Bebra-Weimar-Erfurt-Chemnitz in das 60 km von Prag gelegene Theresienstadt in Bewegung. Das dortige Ghetto galt als riesiges Durchgangslanger für Weitertransporte in die Vernichtungslager im Osten.

Mit dem 18.05.1944 in Auschwitz wird das Todesdatum der drei Familienmitglieder Blumenthal angegeben. Frau Sara Kösterich hat nach der Befreiung des Lagers am 05. Mai 1945 durch die Russen überlebt.“ So beschreibt Walter Geppert in seiner Dokumentation „Sie waren unsere Nachbarn“ das Auslöschen des letzten jüdischen Lebens in Rodenbach.

JGTafel_TextIn diesem Jahr jähren sich zum 80. Mal die November-Pogrome von 1938. Mit ihnen nahm der „Holocaust“ seinen Anfang – die systematische und industriell betriebene Vernichtung aller Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland und Europa und der Raub ihres Eigentums. Zugleich häufen sich heute wieder antisemitische Zwischenfälle und das gesellschaftliche Klima wird mehr und mehr geprägt von Abschottung und Ausgrenzung.

 

Sie bleiben unsere Nachbarn

Grund genug, diesen 9. November zum Anlass zu nehmen, an das Schicksal der

Rodenbacher Familien

  • Andorn
  • Auerhammer
  • Bamberger
  • Baum
  • Blumenthal
  • Bürkle
  • Cassel
  • Kaufmann
  • Knau
  • Kösterich
  • Löchel
  • van Raalte
  • Rosenbaum
  • Rothschild
  • Simon
  • Strauß
  • und Wolf

zu erinnern. Als Menschen jüdischen Glaubens oder jüdischer Herkunft wurden sie in der Zeit der Nazi-Diktatur verfolgt, vertrieben, beraubt, in den Selbstmord getrieben, in Vernichtungslager gebracht und oftmals ermordet. Die von Walter Geppert vorgelegte Dokumentation erinnert in erschütternder Weise an ihr Schicksal. Gut, dass sie in diesem Jahr noch als Buch erscheinen wird.

Gedenken am 9. November

In einer Gedenkveranstaltung am 9. November um 19 Uhr in der Rodenbacher Gemeindebücherei wollen die Gemeinde Rodenbach, die beiden Kirchen und der Rodenbacher Geschichtsverein in Zusammenarbeit mit der Bücherei und dem Projekt „Demokratie leben“ an das Schicksal dieser Rodenbacher Bürgerinnen und Bürger erinnern. Dabei soll auch beispielhaft an das Schicksal unseres ersten Arztes im Dorf, Dr. Julius Blumenthal, und seiner Familie, erinnert werden. Denn Erinnerung braucht konkrete Namen und Orte um lebendig zu bleiben. Dazu reicht eine Gedenkveranstaltung nicht aus. Es wäre ein Zeichen demokratischer und menschlicher Courage, sich als Kommune, Kirchen und Eigentümer der Häuser dieser Aufgabe zu stellen und auf Augenhöhe an sie zu erinnern.

Pfarrer Heinrich Schwarz

 

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