Sie waren unsere Nachbarn

Vor 80 Jahren – Pogromnacht am 9. November 1938

Sie waren unsere Nachbarn

… Irgendwann waren sie einfach weg

Am Freitag, 9. November 2018 luden die Gemeinde Rodenbach, die beiden Kirchengemeinden in Rodenbach, der Freundeskreis Medientreff Rodenbach e.V., der Rodenbacher Geschichtsverein e.V. und die Aktion “Demokratie Leben Erlensee-Rodenbach” zu einer Gedenkveranstaltung  aus Anlass des 80. Jahrestages der Novemberprogrome 1938 ein.

Im Mittelpunkt stand dabei die Lebens- und Leidensgeschichte des ersten Rodenbacher Arztes, Dr. Julius Blumenthal, und seiner Familie. Christina Mayer aus Oberrodenbach befasste sich 2011 als Abiturientin am Grimmelshausen-Gymnasium Gelnhausen mit der Geschichte dieser jüdischen Familie aus Rodenbach. In einem ebenso beeindruckenden wie bedrückendem  Vortrag „Irgendwann waren sie einfach weg!” hatte sie anlässlich der Ausstellung „Legalisierter Raub – Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933-1945“ die Ausgrenzung, Enteignung, Deportation und Ermordung der Familie Blumenthal dokumentiert. Da sie selbst aufgrund Prüfungsvorbereitungen für ihr Staatsexamen nicht an der Gedenkveranstaltung teilnehmen konnte, hielt Pfarrer Heinrich Schwarz an ihrer Stelle diesen Vortrag noch einmal. Der Vortrag wurde auch im Mitteilungsblatt des Zentrums für Regionalgeschichte des Main-Kinzig-Kreises im Jahr 2012 veröffentlicht.

Roman Kupferschmidt (Klarinette) und Alik Texler (Akkordeon) öffneten mit ihrer Klezmer-Musik den Anwesenden einen Weg, um der Leidensgeschichte der Familie Blumenthal für sich selbst emotional nachgehen zu können.

Als Zeitzeugin konnte die Oberrodenbacherin Maria Peter berichten, wie Dr. Blumenthal als anerkannter und geschätzter Arzt in Rodenbach gewirkt hat. Um so unbegreiflicher ist es, dass er und seine Familie, wie 22 weiter Menschen jüdischen Glaubens oder Herkunft, während der Nazi-Herrschaft dennoch ohne erkennbaren Proteste ihrer Rodenbacher Mitbürger entrechtet und ermordert und andere ins Exil getrieben werden konnten.

Das Schicksal dieser Rodenbacher Bürger jüdischen Glaubens oder Herkunft hat Walter Geppert in seiner Dokumention “Sie waren unsere Nachbarn” recherchiert und dokumentiert. Das zwischenzeitlich vergriffene Buch wurde jetzt nachgedruckt und konnte noch einmal von ihm vorgestellt werden.

Pfarrer Schwarz forderte erneut die Erinnerung an die Menschen jüdischen Glaubens oder Herkunft durch Gedenktafeln an den Häusern, in denen sie einst gewohnt haben, wach zu halten. Auch den Vorschlag des Geschichtsvereins von 2013, künftig eine Straße nach Dr. Blumenthal zu benennen, griff er auf und bestärkte ihn.

… lesen Sie auch den Artikel in unserem Gemeindebrief dazu: Bahnhof Niederrodenbach am 5.9.1942 ab 9.22 Uhr: Abfahrt in den Tod.

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